Eroberung des Elbrus – Teil 2

31.01.2015

Eroberung des Elbrus – Teil 2

Nach Tagen der Vorbereitung und begleitet von extrem schlechten Wetterbedingungen war es endlich soweit: unser Gipfeltag!

Um 01:00 Uhr nachts klingelte der Wecker. Ich schaute gespannt und vorfreudig aus dem Fenster, doch dann die Ernüchterung: Schönes Wetter sieht irgendwie anders aus. Nach einem leichten Frühstück begannen wir langsam und vorsichtig mit unserem Aufstieg zum Gipfel. Doch ab 04:00 Uhr begann ein Albtraum: Pistenraupen passierten uns und chauffierten Touristen den steilen Hang hinauf. Manchmal mussten wir sogar zur Seite springen, um nicht überfahren zu werden. Erst ab 4700 Hm herrschte wieder einsame Stille. Doch von gutem Wetter immer noch keine Spur: Der Wind wehte stark und eisig, die Sicht war nur mässig.

Der Gipfel in Sichtweite

Je höher wir stiegen, desto mehr entwickelte sich der Wind zum Sturm. Ich speicherte in meinem GPS einige Punkte bis zum Sattel, um nicht die Orientierung zu verlieren. Nach einigen Metern wechselten wir auf Steigeisen und stiegen langsam die Flanke zum Hauptgipfel auf. An einer Querung stiessen wir auf ein Fixseil: „Nicht anfassen!“, rief ich aufgeregt meiner Gruppe zu. Das Seil erschien mir viel zu schlaff und wir liefen somit Gefahr einige Meter in die Tiefe zu stürzen. Dies durfte keinesfalls passieren und so entschieden wir zur Sicherheit aller Beteiligten einen anderen Weg zum Ziel einzuschlagen.

Am Gipfelplateau angekommen, kurz vor dem Aufschwung, riss mich plötzlich und völlig unerwartet eine Windböe um. Da das Team unter keinen Umständen in Gefahr geraten durfte, verzichteten wir aufgrund der widrigen Wetterbedingungen auf die letzten Meter zum Gipfel: das Risiko war einfach zu gross! Dennoch erlaubten wir uns vor Ort eine kurze Pause für Freude, Umarmungen und Glückwünsche: wir hatten unser Ziel erreicht, wenn auch nicht ganz.

Abstieg mit Schrecken

Kurz darauf mussten wir bereits mit dem Abstieg beginnen. An der Querung holten wir eine russische Gruppe ein, die in diesem Moment gerade die gefährliche Stellung am Fixseil passierte. Plötzlich hörten wir Schreie und sahen einen Sekundenbruchteil später vier Mitglieder der Gruppe stürzen. Drei blieben im Seil hängen – doch einer rutschte weiter in die Tiefe und wurde vom dichten Nebel verschluckt. Erschrocken schauten wir uns an und suchten verzweifelt nach einer Möglichkeit zu helfen. „Es braucht wohlmöglich Stunden bis wir ihn finden“, schoss es mir durch den Kopf. Das Risiko, dass mit meiner Gruppe etwas passieren könnte, war einfach zu gross. Auf meinen Schultern lastete zu grosse Verantwortung und ich wollte unter keinen Umständen etwas riskieren. Also entschied ich „Wir müssen absteigen!“. Die Stimmung war natürlich getrübt und unsere Gedanken kreisten um die russische Truppe.

Unten am Sattel angekommen, gruben wir unsere Skier aus dem tiefen Schnee aus und fuhren die letzten Meter geschafft zum Camp hinunter.

Happy End im Basecamp

Mein Freund Viktor empfing uns schliesslich im Basecamp. Dort ernteten wir Bewunderung dafür, dass wir die gesamte Strecke zu Fuss zurückgelegt hatten. Das macht uns so schnell keiner nach, brüsteten wir uns stolz.

Die Erleichterung wie riesig, als uns Viktor erklärte, dass die Flanke, an der der russische Bergsteiger abgerutscht war, nach unten hin flach ausläuft. Also gab es doch noch Hoffnung, dass alles gut ausgegangen war.

Nach unserer Ankunft in Cheget, einem kleinen Dorf im Baksan Tal, verlebten wir einen gemütlichen, letzten Abend mit leckerem Essen und gutem Wodka. Es war elektrisierend und aufregend zugleich: Wir hatten den höchsten Berg Russlands bezwungen! Das musste einfach würdig gefeiert werde. Es war wirklich eine tolle Erfahrung!

Wolfgang Schupfer

Wolfgang Schupfer

„Sich ab und zu auf sich selbst zu besinnen bringt neue Kraft und innere Stärke.“

Als Bergführer für die Alpinschule Innsbruck (ASI) verbindet Wolfi das Schöne mit dem Nützlichen. Auf hochalpinen Wanderungen zeigt er seinen Gästen die reizvolle Bergwelt der Alpen. Seine Leidenschaft: die heimatlichen Berge der Hohen Tauern.

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