Winter in München – eine „weiße“ Entscheidung

WInter in München

Unsere Outdoor-Familie „Steingässer“ vertraute in diesem Winter nicht den Wetterprognosen und vermeintlicher Schneegarantien in den Bergen und entschied sich stattdessen für den Urlaub in der Grossstadt – eine gute Entscheidung wie sich herausstellen sollte.  

Drauf gepfiffen!

Frau Holle hatte Weihnachten verschlafen und Petrus den Schlüssel für seine Himmelsschleusen verlegt. Am Heiligabend herrschte mal wieder eher Grill- als Schlittenwetter. Eine Enttäuschung für unsere Kinder, denn "Weisse Weihnacht" stand an Position 1 auf ihren Wunschlisten an das Christkind. Als wir kurz vor Jahresende unseren Bus beluden, um in München mit der Familie ins neue Jahr zu rutschen, waren wir irgendwie ziemlich froh, in diesem Jahr nicht wieder auf Winterurlaub in "unserer" Berghütte im Zillertal gesetzt zu haben. Die Enttäuschung der letzten beiden Jahre war noch nicht verblasst: Da sassen wir mitten im Winter in den Bergen, umgeben von Frühlingsgrün. Ganz ehrlich – das ist fast so schlimm wie Strandurlaub am ausgetrockneten Meer. Nein, diesen Winter wollten wir uns diese Enttäuschung ersparen! Wir machten Urlaub in der Grossstadt – und pfiffen auf den Schnee …

Hannah auf dem Schlitten

Und dann kam alles anders ...

Zum Glück liess sich Petrus von ein paar beleidigten Menschen nicht ins Handwerk pfuschen. München empfing uns äusserst winterlich. Es schneite dicke Flocken vom Himmel, sodass wir kaum die Hand vor den Augen sahen. Und das Beste: der Schnee blieb liegen und umhüllte das hektische Treiben, schluckte den Lärm und bedeckte das triste Grossstadtgrau. Zum Glück hatten wir in letzter Sekunde doch noch den alten Holzschlitten ins Auto gepackt – die Hoffnung stirbt eben zuletzt. Während Jens die Kufen vom angesetzten Flugrost der letzten beiden Jahre befreite, machten Hannah, Frieda und ich eine Schneeballschacht. Kurzerhand mischten vorbeilaufende Passanten mit. Überhaupt wurde uns schnell klar, dass halb München bereits in den Startlöchern stand und in Windeseile damit begann, das Radl gegen den Schlitten zu tauschen. "Wo ziehen die alle hin?" wollte ich von unserem Münchener Familienableger wissen. "Zu unserem Hausrodelhang um die Ecke!", erklärte Basti. „Hier?! Mitten in der Stadt?“, fragte ich neugierig.

Das Gras ist immer grüner ...

So schnell wie möglich kleideten wir sechs Kinder in Skianzüge, kramten hektisch einen Berg Handschuhe heraus und schmierten ein paar Semmeln für ein Schneepicknick. Die Kinder hielt es keine Sekunde länger in der Wohnung. Ganz klar: Sie trauten dem weissen Frieden nicht. Schliesslich konnte das Zeug schneller wieder verschwinden, als uns allen lieb war. "Typisch, hätten wir ja doch auf die Hütte fahren können", merkte ich an. "Und das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite – und der Schnee immer weisser anderswo!", erwiderte Jens und lachte. "Endlich Schnee, und wir hocken in der Grossstadt", motzte ich weiter. Aber München belehrte mich eines Besseren.

Petrus machte ein Friedensangebot

Einen Tag lang rodelten unsere Kinder am Hausberg vor dem Bayerischen Landtag. Der frische Schnee wirbelte ihnen um die Ohren, sie legten Bruchlandungen in Schneewehen hin und rasten auf sämtlichen Schneeflitzern, Bobs und Schlitten um die Wette. Kein Kind motzte über Kälte oder Müdigkeit. Und Zeit für ein Picknick blieb auch nicht. Es hätte ja der erste und auch letzte Schneetag sein können: War es aber nicht. Am nächsten Tag zogen wir als Schlittenkarawane durch das tief verschneite München zum Ufer der Isar und bauten ein Schnee-Sofa. Und wieder schneite es die Nacht hindurch und der Neujahrsmorgen begrüsste uns mit Kaiserwetter!

Ok, Petrus, Frau Holle, oder wer auch immer dafür gesorgt haben mochte: Wir waren nicht mehr ganz so beleidigt. Um ehrlich zu sein, sind waren gerade sogar ziemlich zufrieden! Nur an eurem Timing könntet ihr ja noch ein bisschen schrauben. Im nächsten Winter steht sicher wieder "Weihnachten mit Schnee" auf vielen Wunschlisten.

Schlittenfahren in München
Schneeballschlacht